Über uns

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Als Foodie nach Italien

Egal, wie turbulent der Alltag ist – das gemeinschaftliche Essen hat für mich einen besonderen Stellenwert. Nachdem es meinen Mann, meine vier Söhne und mich 2010 nach Italien verschlagen hatte, eröffnete sich für mich als Foodie und leidenschaftliche Köchin eine völlig neue Welt der Esskultur. Während meiner täglichen Besuche auf dem Markt von Bologna fragte ich die Produzenten Löcher in den Bauch und knüpfte zahlreiche Kontakte. Ich erlebte die besondere Wertschätzung der Italiener für hochwertige Zutaten, die Liebe zum Handwerk und das Zelebrieren eines guten Essens. Vor allem faszinierten mich die ursprüngliche Herstellung von Produkten wie z.B. Parmigiano, der in den Bergen bei Bologna noch genauso herstellen wird wie vor 800 Jahren. Ich gründete erfolgreich die „Culinary Factory Tours“, die Touren zu Manufakturen in Bologna anbietet und ein tieferes Verständnis für Land und Leute weckt.

Privat lief es allerdings nicht so gut. Die Sprache, das Schulsystem und die italienischen Lebensgewohnheiten machten uns auch zwei Jahre später noch schwer zu schaffen. Italiener sind tief in den Familien verwurzelt und zeigen wenig Interesse an neuen Freunden. Besonders unsere Jungs fanden nur schwer Anschluss und die Frage “Mama, können wir wieder nach Hause?” fiel regelmäßig. So kehrten wir wieder nach Deutschland zurück.  

Rückkehr nach Deutschland

In Deutschland blühten meine Jungs wieder auf, während ich mein Unternehmen von Deutschland aus führte. Nach der Trennung meines Mannes absolvierte ich zusätzlich eine 40-Stunden Woche im Büro, um für unseren Lebensunterhalt zu sorgen. Doch der Bürojob langweilte mich zunehmend und mir war klar, dass ich mein Unternehmen nicht ewig aus der Ferne betreiben konnte. Doch die italienische Esskultur hat mich nachhaltig geprägt.

Nun fragte ich mich: Gibt es noch deutsche Manufakturen und Kleinbetriebe? Warum kennen wir italienisches Essen besser als unser eigenes? Wie schmecken typisch deutsche Gerichte jenseits von Schnitzel und Bratwurst? Ich startete einen Blog über traditionelle deutsche Küche und ging auf die die Suche.

Eine bedeutungsvolle E-Mail

Eines Tages flatterte eine E-Mail in mein Postfach: „Räumlichkeiten für ein kleines Restaurant zu vermieten“. Schon länger war in mir die Idee gereift, ein Restaurant mit Speisen aus verschiedenen Regionen Deutschlands zu eröffnen. Nun war ich sofort Feuer und Flamme und aus dem Satz „Man müsste mal…“ wurde ein Entschluss, der aus dem Bauch heraus entstand. Ich wollte nicht nur reden, sondern tun! Meine Kinder waren mittlerweile fast erwachsen, ich erst Mitte 50 und auch mein neuer Partner bereit, mit einzusteigen. Die Entscheidung für die “Deutschlandreise“ war gefallen.

Ein schwieriger Start

Nach zahlreichen Problemen und Katastrophen in der Umbauphase eröffneten wir 2017 unser Restaurant in Bad Godesberg. Doch die Eröffnung war nur die erste Herausforderung, das Etablieren eines so einzigartigen Konzepts eine ganz andere.  

In Deutschland herrscht leider eine sehr lieblose Esskultur vor: Essen ist eine Nebensache, soll schnell zubereitet und möglichst billig sein. Das wurde mir erst im Kontrast zu meiner Erfahrung in Italien deutlich. In den meisten Restaurants wird nicht mehr frisch gekocht; die Zutaten werden tiefgekühlt vom Großhandel bezogen und aufgewärmt. Das ist nicht nur ein ökologisches Desaster, es resultieren auch zahlreiche Lebensmittel-Unverträglichkeiten durch Zusatzstoffe daraus.

So mussten wir in der Anfangszeit dabei zusehen, wie Restaurants mit Fertigessen voll waren, während wir es gerade so über die Runden schafften. Hatten wir tatsächlich angenommen, die Menschen sind an hochwertigen Zutaten und traditioneller Kochkunst interessiert? 

Durchhalten!

Doch wir hielten beharrlich an unserem Konzept fest – entschlossen, zu zeigen, dass es anders geht. Seit Gründung gibt es alle sechs Wochen eine neue regionale Speisekarte mit Produkten ausgewählter Manufakturen.

Die Zusammenstellung erfordert viele Wochen Planung, Vorbereitung und Logistik: wir bereisen jede Region selbst und sprechen mit Gastwirten, Produzenten und Landwirten, bis wir die besten Zutaten und Rezepte gefunden haben. Unser Wareneinsatz ist dadurch um ein Vielfaches höher als bei normalen Restaurants und wir achten auf Klasse statt Masse.

Wir probieren, fotografieren, kaufen Zutaten sowie passende Getränke ein und testen unterschiedliche Rezepte aus. In der offenen Küche wird alles frisch zubereitet, es gibt keine Mikrowelle oder Fritteuse. So dauert auch die Zubereitung der Speisen länger – doch alle guten Dinge im Leben brauchen Zeit. Wir glauben fest daran, dass gutes Essen Körper UND Seele nährt und entsprechend gewürdigt werden sollte.

Heute

Das Durchhalten hat sich gelohnt: die Gruppe der Menschen, die sich bewusst und nachhaltig ernähren, wird immer größer und das Bewusstsein für Tradition und Regionalität wächst. Unsere Gäste schätzen die abwechslungsreiche Karte, die Liebe zum Detail und die Veranstaltungen im Restaurant. Und inzwischen bieten viele Gäste ihre Mithilfe bei der Präsentation “ihrer” Heimatregion an und vermitteln uns an lokale Produzenten.

Die (Wieder)Entdeckung der ursprünglichen deutschen Küche ist jedes Mal ein einzigartiges Erlebnis und zieht mittlerweile Gäste aus aller Welt an. Die deutsche Esskultur ist etwas Besonderes, das sich zu entdecken lohnt.

Martin Matzen
Martina Kuhnert
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