Viehscheid und Bergkäse


Viehscheid und Bergkäse

Wer schon einmal einen Almabtrieb (Viehscheid) im Allgäu erlebt hat, weiß wovon ich spreche: ein festlich geschmücktes Dorf, bayrische Blasmusik, Trachten wohin man schaut und Käse. Richtig, Käse. Der Almabtrieb feiert traditionell die gesunde Heimkehr des Viehs, der Almhirten und Senner – und die Ankunft von köstlichem Bergkäse!

Was für uneingeweihte Gäste aussieht wie ein durchschnittliches Bierfest, ist in Wirklichkeit jahrhundertealter Brauch: die Almhirten und Senner, die mit der Kuhherde, dem wertvollsten Besitz der Bauern, den ganzen Sommer in der Abgeschiedenheit der Berge verbracht haben, werden voll freudiger Erwartung von den Dorfbewohnern begrüßt. Die einen erwarten ihren Mann/Sohn/Bruder, die anderen sind um das Wohlergehen ihrer Kühe besorgt, aber alle gemeinsam freuen sich auf den frischen Bergkäse, der während des Sommers auf der Alm produziert wurde.

Im letzten Jahr wollte ich das Spektakel miterleben und habe mich morgens um 10 mit Kamera am Straßenrand positioniert. Der erste Teil des Zuges verlief erwartungsgemäß: blumengeschmückte Kühe und fesche Männer in Lederhosen zogen über die Dorfstraße. Dann eine längere Pause und ein undefinierbares Dröhnen, die Menschen wichen bis an die Häuserwand zurück – eine mehrere hundert Köpfe starke Kuh Herde galoppierte durch das Dorf, die mitlaufenden Hirten schienen ihren Einfluss auf die Herde verloren zu haben und versuchten nur noch, die Tiere auf die Festwiese zu lenken. Die Situation ließ der Fotografin in mir keine Möglichkeit, an Motivwahl und Einstellungen zu denken, ich habe mit der Kamera nur noch drauf- und mich selbst aus dem Weg gehalten – von einer galoppierenden Kuh umgerannt zu werden, erschien mir ein zu hoher Preis für ein gutes Foto. Die Aufnahmen nachher auf der Festwiese sind dafür gelungen!

Dort habe ich auch die Erklärung für das Erlebte bekommen: die Herde verlässt die Alm morgens um 5 Uhr, hat also bereits eine lange Wanderung hinter sich, wenn sie das Tal erreicht. Die Erfahreneren unter den Kühen wissen, dass sie hinter der Dorfstraße eine grüne Wiese mit saftigem Gras erwartet und da die Almwiesen am Ende des Sommers abgegrast sind, lechzen sie nach frischem Grün und sind nicht mehr zu halten, sobald das Dorf in Sichtweite ist. Was für die Kühe das Gras, ist für die Männer das Bier und so genießen alle zusammen die Pause auf der Wiese – das Bergpanorama ist eine kostenlose Zugabe für uns Fotografen!

Die Festtage im Anschluss drehen sich um Essen und Trinken, traditionell werden deftige Fleischgerichte zum Willkommen für die Männer von der Alm zubereitet, der mitgebrachte Käse wird über die Spätzle geschmelzt und dazu die obligatorische „Mass“ getrunken.

Empfehlen möchte ich noch die Käseprämierung: eine Gelegenheit, sich durch die unterschiedlichen Almkäse zu probieren, jeder Käse ist Handarbeit und einzigartig. Die nach Hause mitgebrachten Käse-Souvenirs haben die frischen Kräuter der Berge eingefangen und mir den Sommer verlängert – jedes Stück bringt die herrlichen, faulen Sommertage in den Bergen zurück…..

 

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