Der Imbiss im Ruhrgebiet


Der Imbiss im Ruhrgebiet

Ich liebe die Geschichten, die hinter den Gerichten stecken! Hier ein bisschen Hintergrundwissen aus dem Ruhrgebiet:

Rund um die Jahrhundertwende, als die Kohleförderung auf vollen Touren lief, wurde der Wohnraum für die zugezogenen Arbeiter knapp. So entstanden Arbeitersiedlungen, die sogenannten “Kolonien” rund um die Zechen. Ganze Straßenzüge mit gleichförmigen Reihenhäuschen entstanden, oft mit kleinem Garten für den Gemüseanbau. Die Kolonien waren multi-kulti, Arbeiter aus ganz Europa wohnten Tür an Tür und so vermischen sich viele Rezepte aus Süd- und Osteuropa mit der Rheinisch-Westfälischen Küche. Im Zuge der Modernisierung mussten viele Siedlungen neugebauten Etagenhäusern weichen, einige jedoch stehen unter Denkmalschutz und sind heute begehrte Wohnlagen, so wie die Marienhöhe in Essen.

Den schmucken Häuschen sieht man die damalige Enge nicht mehr an, aber mit ein bisschen Phantasie kann man sich doch noch vorstellen, wie es war: es lebten mindestens doppelt so viele Menschen in den Häusern, die meisten Familien haben noch Kostgänger beherbergt – alleinstehende Männer, die mitversorgt wurden um das Einkommen aufzubessern. Das Plumsklo war im Hof, geheizt wurde mit Kohle und den Weg zur Zeche machte man zu Fuß. Heute sind die schmalen Straßen zugeparkt mit Mittelklassewagen – niemand sitzt auf der Bank vor dem Haus, keine spielenden Kinder auf der Straße. Und doch ist etwas aus dieser Zeit geblieben: der Hang des Ruhrgebietlers zur schnellen, kleinen Mahlzeit, dem Imbiss auf dem Weg von der Arbeit. So sind Gerichte wie Currywurst Kult geworden – noch heute findet man an jeder Ecke einen Imbiss.