Taubertal

Taubertal

Das Taubertal „touristisch erschlossen“ zu nennen, wäre wohl untertrieben. Daher, Augen auf bei der Wahl der Reisezeit! Diesen Grundsatz hatte ich vor einigen Jahren nicht beherzigt  und wurde quasi erdrückt von den Menschenmassen. Damals habe ich mir ganz fest vorgenommen, zu geeigneter Zeit wiederzukommen.

April 18, 2022
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deutschlandreise taubertal

Unsere Reise durch das liebliche Taubertal

Das Taubertal „touristisch erschlossen“ zu nennen, wäre wohl untertrieben. Daher, Augen auf bei der Wahl der Reisezeit! Diesen Grundsatz hatte ich vor einigen Jahren nicht beherzigt  und wurde quasi erdrückt von den Menschenmassen. Damals habe ich mir ganz fest vorgenommen, zu geeigneter Zeit wiederzukommen.

Diesmal war ich Ende Februar dort, alles lag noch im Winterschlaf und ich konnte in aller Ruhe durchschlendern, Sonne für die Fotos war auch bestellt. Zugegeben, zartes Grün an den Bäumen hätte nicht geschadet, aber irgendwas ist immer. Die fehlenden Touristen haben den Blick auf die Einheimischen freigegeben und ich konnte vielfach beobachten, wie sich Menschen zufällig auf der Straße getroffen und ein kurzes Schwätzchen gehalten haben. Man kennt sich und kauft vorzugsweise beim Metzger, Bäcker und Gemüsehändler ein. Die fränkische Lebensart überlebt anscheinend selbst bei maximalem Touristenandrang!

Meine Entscheidung, die Reise von der Quelle bei Rothenburg ob der Tauber bis zur Mündung in Wertheim durchzuführen und nicht in umgekehrter Richtung, hat sich im Nachhinein als goldrichtig erwiesen. Rothenburg dominiert die Region seit dem Mittelalter, die ganzen Geschichten und Mythen, die sich um die Stadt ranken, sind ein wunderbarer Einstieg in das Thema. 

Der Beinamen „ob der Tauber“ ist eine Lagebeschreibung – die stolze Stadt thront auf einem Hügel über dem Flusstal, die roten Ziegel- türme weithin sichtbar. Sobald ich das Stadttor durchschritten habe, lasse ich mich vom Zauber verwinkelter Gassen und prunkvoller Romantik Gebäude gefangen nehmen. Jedes Haus erzählt eine Geschichte und die Rothenburger sind Meister im Bewahren dieser Geschichten! 

Meistertrunk (die Rettung der Stadt vor Zerstörung im 30jährigen Krieg), Schäfer Tanz (jährliches Fest der Schäfergilde), Reichsstadt seit 1274 – wo anfangen, wo aufhören? Dazwischen Aussichtspunkte und Bänke in der Sonne, soweit alles perfekt. Jedenfalls fast. Wäre da nicht die Kulinarik… Wie zu erwarten, haben sich die Speisekarten der meisten Restaurants an die Bedürfnisse der internationalen Gäste angepasst, Schäufele und Bratwurst von regionalen Betrieben musste ich suchen.

Fränkische Schäufele & Bratwurst

Das besserte sich hinter der Stadtmauer sofort, hier ist meine Erfahrung als Bratwurst – Testerin gefragt! Um die Vielfalt abzubilden – ich habe wirklich viel probiert – werden wir die Bratwurst von zwei Betrieben servieren: Metzgerei Weinländer im fränkischen Ansbach und Metzgerei Förster im württembergischen Tauberbischofsheim 120 km südlich. Wann hat man schonmal 2 erstklassige Bratwürste im direkten Vergleich auf dem Teller? Dass beide Betriebe ausschließlich Tiere von ausgewählten Bauernhöfen der Region verwenden, versteht sich von selbst.

Bauländer Spelz Grünkern aus dem Bauland

Von den sonnenverwöhnten Talbewohnern auch “badisch Sibirien” genannt, hat dieser rauhe Landstrich oberhalb des Taubertales den Grünkern hervorgebracht. Bei der Entstehung hat es sich wohl um eine reine Notmaßnahme gehandelt – kalte, verregnete Sommer ließen das Getreide nicht reifen und um wenigstens irgendetwas zu retten, haben die Bauern den unreifen Dinkel geerntet und über Buchenholz getrocknet. Der Geschmack war so überzeugend, dass man auch zukünftig einen Teil der Ernte “grün” einholte und über Darren trocknete – der Grünkern war geboren. 

Die Sorte “Bauländer Spelz” stellt wenig Ansprüche und wächst auf den mageren Muschelkalkböden des Baulandes, die Bezeichnung ist geschützt. Sie ist nicht auf Hochertrag gezüchtet, enthält mehr Mineralstoffe und Vitamine als die modernen Sorten und schmeckt intensiver.

Schneeballen traditionelles Gebäck

Im oberen Taubertal, rund um Rothenburg, hat eine spezielle Süßspeise Tradition, die “Schneeballen”. In der Schaufensterauslage der Bäckereien von weitem betrachtet, sieht es aus wie große, weiße Kugeln, daher wohl auch der Name. Beim genaueren Hinschauen erkennt man allerdings, dass diese Kugeln aus vielen, kleinen Gebäckfäden bestehen, kunstvoll ineinander fließend. Um die Sache näher zu ergründen, habe ich bei den Bäckern in Rothenburg nachgefragt, leider erfolglos – wahrscheinlich zu viele Touristenanfragen…..

Da Aufgeben keine Option ist, bin ich an anderer Stelle fündig geworden, wieder mal mit der freundlichen Unterstützung von Einheimischen: Frau Blechschmidt hat sich seit vielen Jahren auf die Herstellung von Schneeballen spezialisiert. Gebacken wird auf Bestellung in ihrer Küche in Archshofen, seit ihr Mann in Rente ist, geht er helfend zur Hand. Die Bestellungen kommen aus der ganzen Gegend, besonders viele im April/Mai, wenn die Kommunion ansteht, erzählt Frau Blechschmidt. Traditionell wird hier ein Schneeballen als Gegengeschenk gegeben – die Beschenker des Kommunionkindes erhalten als kleines Dankeschön einen Schneeballen. Da nun aber rund um eine Kommunion sowieso schon viel zu tun ist, man sich aber auch nicht mit gekauften Süßigkeiten blamieren möchte, bestellt man hausgemachte Schneeballen bei Frau Blechschmidt.

Bei meinem Besuch durfte ich probieren und bekam direkt eine kurze Einweisung zum Thema “wie esse ich einen Schneeballen”. Einfach reinbeißen sollte vermieden werden, es sei denn, man möchte das ganze Gesicht voll Puderzucker haben. Also: man nehme einen nicht zu kleinen Teller, lege den Schneeballen in die Mitte und breche ihn vorsichtig mit den Händen  auf. Von nun an kann man einzelne Gebäckfäden genüsslich zum Kaffee verspeisen. Letztendlich sind die Fäden das Geheimnis des Schneeballens: ein süßer Eierteig wird wie Nudelteig dünn ausgerollt und in schmale Streifen geschnitten. Diese Teigfäden füllt man in eine Art Teekugel, allerdings Männerfaustgroß, und backt sie in heißem Fett. Wir servieren die Schneeballen nicht in Originalgröße, sondern eine Nummer kleiner, dafür mit einer Rotweincreme vom Tauberschwarz. 

Tauberschwarz die autochthone Rotweinsorte

Tauberschwarz ist eine uralte Rebsorte aus dem Tauber- und Vorbachtal. Und zwar nur von dort, sie wird nirgendwo anders angebaut.

Die Rebe macht es dem Winzer nicht leicht – die Trauben sind sehr dünnhäutig, platzen daher leicht auf und neigen zu Fäulnis, wie Frau Hofäcker erzählt. Außerdem bringt die Pflanze viele Triebe, die sich stark verzweigen und ranken, alles Mehraufwand im Weinberg. Familie Hofäcker betreibt das Weingut in Queckbronn, die Weinberge liegen direkt unter dem ehemaligen Jagdsitz der Herren zu Hohenlohe.

Die genannten Eigenschaften haben fast zum Aussterben des Tauberschwarz geführt, schließlich gibt es ertragreichere Sorten. Mit den letzten verbliebenen Rebstöcken fand durch die staatliche Lehr- und Versuchsanstalt in Weinsberg eine Wiederbelebung statt, aber bis heute ist der Anteil von Tauberschwarz an der Gesamtanbaufläche äußerst gering. Hier geht es zum video

boef de Hohenlohe

Die Region Hohenlohe grenzt direkt an das Taubertal, hier werden die lokalen Rassen wie Limpurger und Fleckvieh mit dem französischen Limousin Rind gekreuzt und in Weidehaltung aufgezogen. Der Name entstand im ausgehenden 18. Jahrhundert, als die Rinder bis nach Paris getrieben wurden – das Fleisch wurde als Delikatesse gehandelt. Die bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall züchtet und vermarktet heute nach historischem Vorbild die Hohenloher Rinder, wir bekommen das Fleisch über unserem Metzger Voigt/Bad Godesberg

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