Südliche Pfalz

Südliche Pfalz

September 16, 2022
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Pfalzblick

Das Schöne an der Pfalz ist, man muss sich nicht entscheiden zwischen Wander-, Rad- und Geniesserurlaub. Alles geht, sogar ohne Kompromisse. Egal wie weit man gekommen ist, es findet sich immer eine Einkehrmöglichkeit mit hausgemachten Spezialitäten in der Nähe.

Das Weinanbaugebiet ist nur wenige Kilometer breit und schlängelt sich entlang des Pfälzer Waldes, die Straßenschilder tragen die Namen berühmter Weinlagen: Rhodt unter Rietburg, Maikammer, Neustadt. Weindörfer wie im Bilderbuch, historische Fachwerkhäuser in kleinen Gassen, rebengeschmückte Straussenwirtschaften. So pittoresk, man glaubt gar nicht, dass man sich im zweitgrößten Weinanbaugebiet Deutschlands befindet.

Pfälzer Saumagen

Wer ein schönes Beispiel für Pfälzer Lebensart erleben will, dem empfehle ich die Warteschlange vor der Metzgerei Hambel in Wachenheim: obwohl sie eine beachtliche Länge hat und nur schleppend voran geht, ist die Stimmung bestens. Neuzugänge werden begrüßt, kleine Frozzeleien ausgetauscht, die Glücklichen, die bepackt den Laden verlassen, offenbaren ihre Pläne für das Mittagessen in aller Ausführlichkeit. Das Ganze hat was von fröhlicher Gemeinschaft – eine herkömmliche Warteschlange geht anders.

Herr Hambel in der Wurstküche

Der Pfälzer Genussmensch nimmt Weg und Wartezeit in Kauf, um nicht irgendeinen, sondern den besten Saumagen zu bekommen und verwandelt mit Witz und Gelassenheit selbst das Schlangestehen in ein Erlebnis. Ich könnte nicht davon erzählen, hätte ich nicht selbst dort gestanden um den Hambelschen`Saumagen für die Pfalz-Wochen in der Deutschlandreise zu organisieren. Herr Hambel hat sich freundlicherweise die Zeit genommen, uns die Herstellung zu erklären, hier geht es zum Video

Keschde = Esskastanien

Von den Römern mit dem Wein in die Pfalz gebracht, steuern die „Keschde“ zur kulinarischen Vielfalt bei und prägen die Waldstruktur der südlichen Pfalz. Oktober ist Erntezeit, man sieht die Sammler mit großen Taschen aus dem Wald kommen, in den Familien wird jetzt um die Wette geröstet und gepuhlt. Die Zeit zwischen den Weinfesten im September bis zum Weihnachtsmarkt kann recht lang werden, viele lange Herbstabende liegen dazwischen. Die Pfälzer haben die Lösung: es wird im Oktober noch das „Keschdefest“ eingeschoben – traditionell werden die recht trockenen Esskastanien mit Pfälzer Wein heruntergespült.

Pfälzer Wein

Den Stellenwert, den die Pfälzer ihrem Wein beimessen, lässt sich unschwer am Schoppenglas erkennen: „Dubbeglas“ genannt, beheimatet es einen halben Liter! Wein oder Weinschorle. Da der Pfälzer in der Regel eine deftige Vesperplatte dazu verzehrt und nicht zimperlich ist, hat das Glas praktischerweise Dellen (Dubben), damit die eventuell fettigen Finger nicht abrutschen.

Bei der Weinauswahl hat man die Qual der Wahl. Klar, probieren hilft, allerdings gelingt das mangels Fassungsvermögen nur stichprobenhaft. Auserkoren habe ich den kleinen Ort Forst, der einige der besten Lagen an der Weinstrasse (Forster Ungeheuer, Forster Pechstein) hat und über eine vielseitige Bodenbeschaffenheit verfügt. Da wir generell kleine, handwerklich arbeitende Betriebe den großen renommierten vorziehen, bin ich beim Weingut Lindenhof der Familie Spindler gelandet, probieren Sie selbst!

Wer uns schon länger kennt, mag sich erinnern, wir waren schonmal in der Pfalz: hier geht es zu meinem Reisebericht aus 2018, als ich Winzer Heußler im Rosswingert getroffen habe

Herr Heußler senior im Roßwingert, im Hintergrund das Hambacher Schloss
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